Traumstraßen in Südnorwegen
Ein Ritt über die Traumstraßen Südnorwegens ist ein Erlebnis, das jeder Motorradfahrer einmal im Leben gemacht haben sollte. Zwischen tiefblauen Fjorden, schneebedeckten Gipfeln und endlosen Kurven schlängeln sich Straßen, die wie geschaffen sind für das Gefühl von Freiheit auf zwei Rädern. Ob über den serpentinenreichen Lysevegen, entlang der atemberaubenden Atlantikstraße oder durch die einsamen Täler des Setesdal – hier verschmelzen Fahrspaß und Naturerlebnis zu einem unvergesslichen Abenteuer. Jede Etappe erzählt ihre eigene Geschichte von Wind, Weite und dem unvergleichlichen Zauber des Nordens.

Wie kommt man eigentlich nach Südnorwegen?
Ich habe mich für die Fähre von Hirtshals nach Kristiansand entschieden – die wohl bequemste und schnellste Verbindung über die Nordsee. Der Weg dorthin führt einmal quer durch Dänemark, und wer ein bisschen Zeit mitbringt, kann unterwegs in Skagen Halt machen – ganz im Norden des Landes, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen und die Wellen ineinanderlaufen. Ein perfekter Moment, um den Kopf freizubekommen, bevor das Abenteuer in Norwegen beginnt.
Natürlich gibt es auch andere Wege nach Südnorwegen:
Wer mehr Strecke machen möchte, kann über die Öresundbrücke nach Schweden fahren und von dort aus über Göteborg oder entlang der Westküste weiter nach Norwegen rollen. Oder man wählt die Fähre von Hirtshals nach Stavanger, Bergen oder Larvik – ideal, wenn man direkt weiter in den Westen möchte. Egal, welchen Weg man wählt: Schon die Anreise ist Teil des Abenteuers.

Starvanger
Stavanger, die viertgrößte Stadt Norwegens, liegt malerisch an der Südwestküste und gilt als Tor zu den Fjorden. Besonders bekannt ist sie für das beeindruckende Monument „Sverd i fjell“ – drei riesige Schwerter, die in den Fels am Hafrsfjord gerammt sind. Sie erinnern an die Schlacht von Hafrsfjord im Jahr 872, in der König Harald Hårfagre Norwegen einte und zum ersten König des Landes wurde.
Stavanger selbst blickt auf eine spannende Geschichte zurück: Vom kleinen Fischerdorf entwickelte sich die Stadt im 19. Jahrhundert durch die Heringsfischerei und später durch die Ölfunde der 1960er-Jahre zum Zentrum der norwegischen Energieindustrie. Heute verbindet Stavanger Tradition und Moderne – mit einer charmanten Altstadt aus weißen Holzhäusern, einem lebendigen Hafen und dem berühmten Preikestolen, der nur eine kurze Fahrt entfernt liegt.
Lysebotn
Der Weg nach Lysebotn gehört zu den eindrucksvollsten Routen, die man in Südnorwegen fahren kann. Schon die Anreise durch die bergige Landschaft von Sirdal ist ein Erlebnis für sich – weite Hochebenen, glitzernde Seen und endlose Kurven machen jede Minute im Sattel zu purem Fahrvergnügen. Die spektakuläre Lysevegen-Straße führt schließlich über 27 enge Haarnadelkurven rund 900 Höhenmeter hinunter bis ans Ende des majestätischen Lysefjords.
Unten angekommen, erwartet einen das winzige Lysebotn, umgeben von steilen Felswänden und einer fast mystischen Stille. Von hier aus lohnt sich der Rückweg per Fähre durch den Fjord – ein unvergessliches Erlebnis, bei dem man die mächtigen Felsformationen aus einer ganz neuen Perspektive sieht. In der Hauptsaison sollte man die Überfahrt jedoch im Voraus buchen, denn die Plätze sind oft schnell ausverkauft. Die Fähre fährt in der Regel zwei- bis dreimal täglich, je nach Wochentag und Saison. Wenn man also warten muss, lässt sich die Zeit wunderbar überbrücken: bei einem Kaffee oder einem Hotdog am kleinen Kiosk im Hafen – und vielleicht bei einem Plausch mit den Locals, die stets offen und herzlich sind.


Die Fähre von Lysebotn – der letzte Schritt aus dem Fjord hinaus. Ein perfekter Abschluss nach der kurvenreichen Abfahrt über den Lysevegen.


Der Kjeragbolten ist ein etwa 5 Kubikmeter großer Felsblock, der in rund 1.000 Metern Höhe zwischen zwei senkrechten Felswänden über dem Lysefjord eingeklemmt ist. Er steckt dort buchstäblich fest – ohne jegliche Sicherung – und ist über Jahrtausende durch Gletscherbewegungen an diese spektakuläre Position gelangt.
Kjeragbolten
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Somewhere_over_the...sea..._-_Kjeragbolten_-_Norway.jpg
Auf dem Weg von Lysebotn nach Norden reiht sich ein landschaftliches Highlight an das nächste. Die Strecke führt zunächst entlang des Erfjords, wo sich die Straße eng an steile Felswände schmiegt und immer wieder grandiose Ausblicke auf das tiefblaue Wasser freigibt. Weiter geht es vorbei am Skigebiet Røldal, das selbst im Sommer seinen alpinen Charakter behält – mit kargen Hochebenen, frischer Bergluft und oft noch sichtbaren Gletschern, die still über den Tälern thronen.
Weiter gehts...





Langfossen
Am Langfossen angekommen, wird einem schlagartig bewusst, warum dieser Wasserfall zu den beeindruckendsten Norwegens zählt. In einer einzigen, kraftvollen Kaskade stürzt das Wasser aus rund 600 Metern Höhe den steilen Berghang hinab und mündet direkt in den Åkrafjord. Die Straße führt unmittelbar am Wasserfall vorbei – so nah, dass man die Gischt auf der Haut spürt und das stetige Donnern den Motor für einen Moment in den Hintergrund drängt.
Eingerahmt von schroffen Felsen, dichtem Grün und dem ruhigen Fjord darunter, wirkt der Langfossen fast surreal. Besonders für Motorradfahrer ist dieser Ort ein perfekter Zwischenstopp: kurz absteigen, den Blick über den Fjord schweifen lassen, die rohe Kraft des Wassers genießen – und dann weiterfahren, mit dem Gefühl, gerade einen dieser ganz besonderen norwegischen Momente erlebt zu haben.

Låtefossen
Am Låtefossen angekommen, wird einem schlagartig bewusst, warum dieser Wasserfall zu den bekanntesten Norwegens zählt. Mit tosender Kraft stürzt das Wasser in zwei Armen direkt neben der Straße ins Tal und hüllt alles in feinen Sprühnebel.
Die historische Steinbrücke, die den Wasserfall quert, macht den Ort besonders fotogen – und für Motorradfahrer zu einem echten Highlight. Der Låtefossen liegt an der landschaftlich grandiosen Route 13, umgeben von steilen Berghängen und üppigem Grün, und ist ein perfekter Zwischenstopp: kurz anhalten, das Donnern des Wassers spüren, tief durchatmen – und weiterfahren mit dem Gefühl, mitten in Norwegens Naturgewalt unterwegs zu sein.
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